SILVIA SIEMES SKULPTUREN



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"WALD | BRÜTER" 2014
Keramik, engobiert, Höhe 169 cm

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AKTUELLES



Im März 2015 ist der neue monografische Katalog erschienen:
"Skulpturen 2011 - 2014", mit einem Text von Walter H. Lokau, Bremen.

















Ausstellungen und -beteiligungen 2017 (Auswahl)

16. 02. - 19. 02. 2017    art Karlsruhe,Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst (Galerie Steinberger, Weikersheim)

03. 04. - 13. 05. 2017    "Das Ewig-Weibliche...", Galerie Keim, Stuttgart (B)

07. 05. - 30. 09. 2017    Körper | Raum | Entgrenzung, Diözesanmuseum Rottenburg a. N. (B)

09. 06. - 01. 07. 2017    Galerie am Dom, Wetzlar (mit Marina Sailer)

22. 06. - 25. 06. 2017    ART SALZBURG CONTEMPORARY 2017 (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen)

01. 09. - 06. 10. 2017    Galerie Klose, Essen (mit Marina Sailer)

27. 10. - 29. 10. 2017    C.A.R. CONTEMPORARY ART RUHR 2017 (Galerie Klose, Essen)

04. 11. - Jan. 2018    "Das kleine Format", Art Galerie 7, Köln (B)

BIOGRAFIE & AUSSTELLUNGEN


1960 geb. in Freiburg

1983-87 Studium an der Staatl. Porzellanfachschule Selb, Ausbildung zur Kerammodelleurin und Formentwerferin
1987-95 Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen, bei Vehring, Otto, Altenstein
1995-96 Meisterschülerin bei Prof. B. Altenstein
SS 2012 Lehrauftrag für Bildhauerei, Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen

1996 Mitbegründung der Ateliergemeinschaft "Fabrik 84" in Beuren bei Nürtingen

2003 1. Keramiksymposium, Gmunden, Österreich
2004-07 Atelierstipendium des Landkreises Esslingen
2006 Arbeitsstipendium, Zukunftswerkstatt Mariposa, Teneriffa
2010 "Intonation", Keramiksymposium, Deidesheim
2013 Preisträgerin des 7. Förderpreises "Figurativ/Skulptur in Keramik", Nassauische Sparkasse, Wiesbaden
2016 Symposium Terra Arte, Alte Ziegelei, Hundisburg

Ausstellungen und -beteiligungen (Auswahl seit 2009)

2016 “li-la-leben“, Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen (mit Sabrina Krökel); Galerie Klose, Essen (B); Galerie Elfi Bohrer, Bonstetten (mit Christa Mayrhofer, Karin Pliem); Galerie Tobias Schrade, Ulm; Galerie Gering, Frankfurt (mit Joerg Eyfferth, Clemens Erlenbach)
2015 "Figur & Abstraktion", Galerie Marianne Heller, Heidelberg (mit Michael Cleff); "Einblicke", Bund freischaffender Bildhauer, Städtische Galerie, Kirchheim u.T. (B); "Heim_Spiel III", Galerie Keim, Stuttgart (B); Galerie Cyprian Brenner, Schwäbisch Hall (mit Elke Wree)
2014 "Second Faces", Nassauische Sparkasse, Wiesbaden (B); "heute hier morgen dort", Stipendiaten des Landkreises Esslingen, The Municipal Gallery, Machon Hamayim Gallery, Givatayim, Israel (B); "Dialog der Generationen", Galerie Friederike Zeit, Deidesheim (B); Kunstverein Nürtingen (B); "Fundstücke", Galerie Ulrich Gering, Frankfurt (B); Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen (B)
2013 Galerie für Gegenwartskunst Elfi Bohrer, Bonstetten CH; Galerie Ulrich Gering, Frankfurt; Galerie am Dom, Wetzlar; Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen (Hannover); Galerie Keim, Stuttgart; Cheongju International Craft Biennale, Korea (B); 7. Förderpreis der NASSAUISCHEN SPARKASSE 2013, Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen (B); Galerie Artlantis, Stuttgart (B)
2012 "Figürliches", Galerie Marianne Heller, Heidelberg (B); Städtische Galerie, Kirchheim u. T.
2011 pro arte kunststiftung, Ulm, Bremer Kunstfrühling (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); Galerie Bollhorst, Freiburg; Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen
2010 Galerie Tobias Schrade, Ulm; Galerie Anna-Maria Burger, München; Galerie Keim, Stuttgart; 15. Galerientage im Mannheimer Kunstverein (Galerie Marianne Heller, Heidelberg) (B); Galerie Roland Aphold, Allschwil / Basel (B)
2009 Galerie Keim, Stuttgart (B); Galerie Roland Aphold, Allschwil/Basel (B); Sonja Steinberger Galerien, Weikersheim (B); Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen (B); "Westerwaldpreis 2009 – Keramik Europas", Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen (B); "Gegenüberstellung", Kasino Galerie, Höhr-Grenzhausen (B)


Messebeteiligungen 

MESSEBETEILIGUNGEN


Messebeteiligungen (Auswahl seit 2009)



2016 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Steinberger Galerien, Weikersheim, One Artist Show); ART.FAIR Köln (Steinberger Galerien, Weikersheim); Kunst16 Zürich (Galerie Elfi Bohrer, Bonstetten)

2015 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); Kunst Messe Frankfurt (Galerie Gering, Frankfurt); ART Karlsruhe (Steinberger Galerien, Weikersheim, One Artist Show), ART.FAIR Köln (Steinberger Galerien, Weikersheim); Kunst15 Zürich (Galerie Elfi Bohrer, Bonstetten); Affordable Art Fair, Hamburg (Galerie Gering, Frankfurt)

2014 Realisme14 Amsterdam (Galerie Gering, Frankfurt); ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Steinberger Galerien, Weikersheim, One Artist Show); ART.FAIR Köln (Steinberger Galerien, Weikersheim); Kunst14 Zürich (Galerie Elfi Bohrer, Bonstetten)

2013 Realisme13 Amsterdam (Galerie Gering, Frankfurt); ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Steinberger Galerien, Weikersheim, One Artist Show); ANTIQUE & KUNSTSALON Hannover (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); C.A.R. Contemporary Art Ruhr (Galerie Gering, Frankfurt); Kunst13 Zürich (Galerie Elfi Bohrer, Bonstetten); ART.FAIR Köln (Steinberger Galerien, Weikersheim)

2012 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Galerie Keim, Stuttgart; Galerie Rigassi, Bern; Steinberger Galerien, Weikersheim); EUNIQUE arts & crafts, Karlsruhe (Galerie Bollhorst, Freiburg); C.A.R. Contemporary Art Ruhr (Galerie Gering, Frankfurt); Kunst12 Zürich (Galerie Rigassi, Bern)

2011 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); KUNSTMESSE Düsseldorf (Steinberger Galerien, Weikersheim; Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Galerie Keim, Stuttgart; Galerie Rigassi, Bern); EUNIQUE arts & crafts, Karlsruhe (Galerie Bollhorst, Freiburg); ANTIQUE & KUNSTSALON Hannover (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); Kunst11 Zürich (Galerie Rigassi, Bern)

2010 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ANTIQUE & KUNSTMESSE Düsseldorf (Steinberger Galerien, Weikersheim; Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Karlsruhe (Galerie Keim, Stuttgart; Galerie Aphold, Allschwil/Basel); ANTIQUE & KUNSTSALON Hannover (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Bodensee (Steinberger Galerien, Weikersheim); Kunst10 Zürich (Galerie Rigassi, Bern)

2009 ART Innsbruck (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ANTIQUE & KUNSTMESSE Düsseldorf (Steinberger Galerien, Weikersheim; Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ANTIQUE & KUNSTSALON Hannover (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen); ART Bodensee (Steinberger Galerien, Weikersheim); BRNO ART FAIR - Neue Kunstmesse Brünn (Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen)


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TEXT ZU DEN ARBEITEN


Inter-esse
Zur Arbeit der Silvia Siemes


Wir (Aber wer sind "wir"...?!) befinden uns in einem merkwürdigen Moment der Geschichte - jenseits letztgültiger Erklärungen, unbedingter Wahrheiten, jenseits der politischen, gesellschaftlichen, ästhetischen Ideo-logien, der Bilder-Lehren, jenseits der einst einem äußerlichen oder immanenten Sinn nachjagenden Avantgarden. Reichlich angefüllt mit Vergangenheit zwar ist unser Ort, Zeit und Zukunft aber sind ziellos entleert. Wir stehen im Ungebundenen, Unverbindlichen, Unbestimmten. Doch hat sich in dieser radikalen Freiheit, mit der offenbar gewordenen Schicksallosigkeit, nach einem Wort Hölderlins, irgendetwas erledigt, gar erfüllt? Die Versprechungen der Künste? Die Frage nach dem Menschen, die zu stellen eine der vornehmsten Aufgaben eben der Künste war? Mitnichten! Das große Ausbleiben schlich sich ein - die Geschichten fanden kein Ende. Es herrscht tiefe, ungestillte, vielleicht unstillbare Beunruhigung angesichts des Überlieferten, an das doch Hoffnung über Hoffnung geknüpft war. Wie andere Bereiche sind auch die Künste noch immer (um)getrieben von unaufgelösten, vielleicht unauflöslichen Rückständen bisheriger Formen, Inhalte, Techniken, gestellter Fragen und gegebener Antworten. Wir haben keine andere Herkunft, kein anderes Material.

Die abbildende Darstellung der Figur - einst vorbehalten dem nur schon Bedeutenden, Gott, Herrscher oder Helden, später im Prinzip zugebilligt einem jedem Individuum, de natura et de jure Gleiches unter Gleichen, de facto einzig in der vergänglichen Singularität seiner bloßen Körperlichkeit - bleibt von einer Aura des sinnträchtig Besonderen umgeben. Wie es stets das Besondere darstellte, war auch das Darstellen selbst etwas Besonderes. Es versteht sich nicht von selbst, aus Materie ein Abbild zu formen, in der Ära technischer Reproduktion noch weniger sogar als ehedem. Was so bedachtsam, schöpferisch gebildet, das muss etwas bedeuten. Kunst tat immer dies: Bedeuten. Doch der Sinn von Darstellung in der Kunst kann heute nicht mehr die ablesbare Repräsentation gegebener oder vorausgesetzter Bedeutung sein. Noch der Vorwand der Kritik, der Ironie oder des Witzes, die Pose des Naiven, Zynischen, Fanatischen oder Leichtfertigen verfangen nicht, retten nichts, verbieten sich. Wo es des krisenhaften Moments der Gegenwart inne und also auf der Höhe (oder in der Tiefe) der Zeit ist, wird selbst portraitierendes Darstellen zu einem auf nichts Bestimmtes verweisenden Bedeuten, wird zur Frage, die einer Antwort sich tunlichst enthält, wohlweislich, wenngleich dem Kunstwerk die Geste von Antwort vielleicht unvermeidlich innewohnt. Wo es nicht dieses oder jenes billig und bar behaupten kann, sich nicht augenblicklich als gutgemeinter Anachronismus oder forsche Propaganda entlarven will, wird das zugleich herausgelöste und hervorgebrachte Bild des Menschen undeutlich, ambivalent, vage, verhalten, zögernd, zart und schwebend rätselhaft. In solch bildnerischer Unbestimmtheit, die keineswegs auf Kosten klassischen künstlerischen Könnens gehen muss, im Gegenteil, stellt sich die Menschen-Frage unausdrücklich insistenter, leiser zwar, doch dringlicher. Dass figürliche Plastik in dieser Hinsicht zeitgenössisch-gegenwärtig zu sein vermag, zeigen die Arbeiten der Bildhauerin Silvia Siemes: Indem sie alle Eindeutigkeit mühelos abweisen, lesbare Bedeutung auch ohne jede formale Provokation oder inhaltliche Emphase versagen, wird ihr Wesen ein eigentümlich schönes, hochästhetisches Zwischen-Sein, innehaltendes Inter-esse. Dieses Zwischen als Figur so geduldig wie akkurat aufzutun macht die subtile Arbeit der Künstlerin aus.

Silvia Siemes, 1960 in Freiburg geboren, gelernte Kerammodelleurin und Formentwerferin, entwich der Welt der keramischen Industrie gleich nach ihrer Ausbildung in der Porzellan-Stadt Selb an die Hochschule der Künste in Bremen - mit den Lehrern Waldemar Otto und Bernd Altenstein über Jahrzehnte ein Hort der figürlichen Bildhauerei, da diese andernorts schon für obsolet, ja rückständig galt. Doch war es zunächst gar nicht die Figur, die sie zur Kunst zog - es war die Keramik, die damals noch an vielen deutschen Kunsthochschulen mit ordentlichen Lehrstühlen, in Bremen erst durch Dorothee Colberg-Tjadens, nach ihr dann durch Fritz Vehring, vertreten war. Die Begegnung mit der Steinbildhauerei in der Klasse Bernd Altensteins geriet allerdings zur befreienden Offenbarung, die die spezialisierte Industrie-Designerin endgültig vom Bereich der angewandten zur freien bildenden Kunst wechseln ließ. Nach Jahren der Bevorzugung des Steins kehrte sie auf Umwegen und aus pragmatischen Gründen zum keramischen Material, zum Ton zurück, erst nach und nach und noch immer das Formpotential der eigenartig selbst- und eigennamenlosen, proteischen Materie für die figürliche Bildhauerei wiederentdeckend, ihre Möglichkeiten und Beschränkungen, ihre fast charakterlose Formbarkeit, mittels derer vermeintlich feststehende bildnerische Konzepte, etwa die Gegensätzlichkeit von Skulptur und Plastik oder von Unikat und Formreproduktion, sich spielend durchkreuzen lassen.


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TEXT ZU DEN ARBEITEN




Treu blieb Silvia Siemes fortan dem Ton als bildsames Material wie als farbige Fassung ihrer Figuren, als hochgebrannte Terrakotta der Körper und als oxidgefärbter Schlicker der bemalten Oberflächen. Das Belassen des auch am Ende ganz glanzlosen, matt-kalkigen, fast rohen Materials ist ein wichtiges Moment für die Wirkung der Arbeiten. Virtuos behandelt zwar, verliert der Stoff doch an keiner Stelle seine Eigenart. Materie wird nicht verleugnet, das Darstellende geht nirgend vollends auf im Dargestellten. Dem rigiden artistischen Illusionsgebot, eines für etwas anderes, Metall, Stein, Holz, Ton, Farbe für den Leib, die Haut, die Kleidung, auszugeben und das möglichst perfekt, wird ein Stück weit nur nachgegeben, seine bloß technisch-handwerkliche Verwirklichung behindert. Die Virtuosität hält sich zurück, wird nicht Selbstzweck. Und sowenig die Materie verschwindet, sowenig werden das Gemachtsein, die als Arbeit sich vollziehende Zeit des Bildens unsichtbar. Das Modellieren, Bätzchen um Bätzchen, das Kneten, Drücken, Schaben, Kratzen, die Spuren des hervorbringenden Machens selbst bleiben ungeglättet: Die Diachronie des Wirkens ist in der Synchronie des Werkes stets vernehmbar. Diese Rücksichtnahme auf den Stoff schlägt unmittelbar auf den Inhalt durch: Mimesis wird hier nie vollständig. Ein gelindes Maß feinfühliger Ent-stellung, eine materiale Unschärfe bestimmt die Darstellung, macht sie ambivalent in sich. Indem das vermeintliche Abbild sich als Darstellung derart offenkundig, wie nicht ganz da, preisgibt, den Riss als materiell Bezeichnendes und ideell Bezeichnetes gar nicht erst zu schließen sucht, setzt die Darstellung ihren Status als Abbild von vornherein aufs Spiel. Die Referenz behauptet nicht einfach sich, sie lockert, verdünnt sich, wird gleichsam flüchtig, rückt ab, je näher man tritt je mehr. Doch der Preis dieser sachten Abstraktion ist keine Abkürzung der Figur, nicht ihre pseudo-expressionistische oder schematisierend primitivistische Vergröberung. Wunderlicherweise erfährt das augenscheinliche Abbild keine Verletzung - künstlerisch-handwerklich bleiben Erfassung und Wiedergabe des menschlichen Körpers, der Gesichtszüge tadellos gekonnt, souverän korrekt, Individualität bietend wie sonst nur ein Portrait. Dieser in delikater Waage ausgehaltene Widerstreit von Materie und Bild ist wesentlich für das ästhetische Gelingen - es ist ein schmaler Grat: Der Zauber stellt sich ein, gerade weil der Schein des Portraithaften nicht völlig wird, aber auch nicht aufhört zu scheinen, durch die sichtbare Materie und die blass-fahle, reduzierte Chromatik der matten Engobe hindurch und noch aus der oft beträchtlichen Verkleinerung der Figuren und der Ausschnitthaftigkeit der Halbfiguren. Wunderliches Werden und schöner Schein sind hier dasselbe und ersetzen das banale Sein. Auf diesem paradoxen Sowohl-als-auch/Weder-noch, auf dieser gewagten, fein austarierten A-hierarchie der gegenläufigen bildnerischen Mittel beruht die Kunst der Silvia Siemes: Ihre Figuren bleiben werdend schon aus ihrer Machart.

Doch das Wagnis des Zwischen reicht noch weiter. Das materiell Transitorische setzt sich auf den verschiedenen Ebenen des Inhaltlichen fort. Die sämtlich barfüßigen Figuren, junge Frauen, Mädchen zumeist, sehr selten auch jugendliche Männer, neuerdings auch paarweise Kindfiguren - Werdende auch in diesem Sinne allesamt, schlank und schön, doch auch von einer gewissen reizlos-unerotischen körperlichen Neutralität, stehend, kniend, hockend, sitzend, als ganze, als halbe Figuren - bleiben auf eine seltsame Weise unqualifizierbar eigenschaftslos, unbenennbar, namenlos, unansprechbar, sprachlos. Außer dem Geschlecht, ihrer Jugend und der Zeitgenossenschaft, ihrer mutmaßlichen Zugehörigkeit zum Jetzt, kenntlich vielleicht an Haartracht und der die Leiber locker und knapp bedeckenden, sommerlich dünnen Bekleidung, die Arme und Beine oft freilässt, geben sie nichts von sich preis, machen aber auch nicht den Anschein, etwas zu verbergen. Ohne alle weiteren Attribute, fast ohne Ausdruck, wiederum auch von einer eigentümlichen emotionalen Neutralität, sind sie nicht einzuordnen. Nicht Geschlecht, nicht Jugend und auch nicht ihre Gegenwärtigkeit markieren ihren konkreten oder sozialen Ort, ihre Rolle, geschweige denn etwas, was unter ihrer schieren Äußerlichkeit anzunehmen wäre, Psyche, Seele, Geist, Freude oder Schmerz. Sie kennen kein Pathos, kein Drama, keine Komödie, nicht Ironie und Kritik. Sie behalten gerade so viel Bedingtes, dass ihr Unbedingtes aufzuscheinen vermag. In ihrem aufmerksamen, unangestrengt offenen Vor-sich-hin-Blicken stellt sich noch nicht einmal die Illusion eines Anblickens ein, weder beim Betrachter noch bei den Figuren. So sind sie auch keine Spiegel, sind irreflexiv, da und fort zugleich, kontaktlos, da zumindest, wo sie hier und jetzt als Figuren sind - anderswo vielleicht nicht.


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TEXT ZU DEN ARBEITEN




Gleichwohl sind die Figuren der Silvia Siemes sichtlich bezogen auf etwas, was aber ebenfalls namenlos und numinos bleibt - man möchte fast sagen: noch unnennbarer und numinoser als die Figuren selbst. Lessing hatte in seiner kunsttheoretischen Analyse der griechischen Skulptur des auf Geheiß der Göttin Athene gemeinsam mit seinen Söhnen von Schlangen getöteten Laokoons den Begriff des prägnanten oder fruchtbaren Augenblicks geprägt. Unfähig, einen zeitlichen Ablauf vorzuführen, sei die Bildende Kunst gehalten, pars pro toto den Kulminationspunkt einer Geschichte oder Erzählung als Darstellung zu wählen, aus dem das Vorher und das Nachher sich schließen und folgern lasse. Was die Mimesis für Körper und Raum leiste, müsse die Diegesis für die Zeit leisten, im Bild, in der Skulptur zusammengezogen auf einen trächtigsten Bild-Moment vorzugsweise durch Haltungen, Bewegungen und Ausdruck der dargestellten Personen. Wie anspielend auf dieses Konzept und es zugleich konterkarierend sind nun Silvia Siemes' Figuren wohl in Bewegung oder Haltung begriffen - die leichte Geste erhobener Arme und Hände, die Wendung eines Körpers, die Spannung eines Hockens, Kniens, Sitzens, die Neigung eines Kopfes, die Richtung eines Blickes -, oft merklich situativ oder transitorisch, zwischen einem Vorher, einem Nachher. Doch der fruchtbare Augenblick der Darstellung birgt hier keine story, ruft Ahnung, Sehnen allenfalls hervor, Unbestimmtes: Auch diese Geschichte bleibt aus. So erscheinen die Figuren, Bezogene ohne Bezogenes, unerlöst Herausgelöste, ein weiteres Mal kontextlos, entfallen einem nicht ermittelbaren Zusammenhang, erscheinend in einem reinen Zwischen. Ihr Sein beruht im Inter-esse. Und doch tun sie, was Kunst immer getan: Bedeuten.

Die Figuren der Silvia Siemes, Allegorien ohne Auflösung, Kunstschöne ohne Transzendenz, Sehnsuchtsfiguren ohne Ersehntes, entfalten ein stilles Spiel aus Differenzen, und sie tun dies auf allen Ebenen, inhaltlich, formal, ja stofflich. Das macht ihre so berückende wie abrückende Ästhetik aus. Sie bilden ein zartes Geflecht aus feinen Widersprüchlichkeiten - von diesem Muster aus ästhetischen Spannungsrissen hängt das Gelingen ihrer als Kunst ab. Indem Mittel und Material alt, klassisch schon sind, stellt Silvia Siemes die Fragen der Kunst, mithin die Frage nach dem Menschen, die Frage nach uns (Aber wer sind "wir"...?!), erneut, hier und heute, zitiert einst gegebene Antworten und stellt diese zugleich in Frage. Aber sie insistiert, sehnsüchtig: Die Fragen bleiben bestehen: interest - "es ist von Wichtigkeit". Nichts hat sich erledigt, gar erfüllt...

Dr. Walter H. Lokau, Bremen, 2015, Katalog Silvia Siemes "Skulpturen 2011 - 2014"


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ARBEITEN I



"HALBFIGUR, MÄNNLICH" 2009
Keramik, engobiert, Höhe 86 cm

Ansicht 2  Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
"HALBFIGUR, WEIBLICH" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 84 cm

Ansicht 2  Ausschnitt 
"HALBFIGUR, WEIBLICH (GRAU III)" 2009
Keramik, engobiert, Höhe 83 cm

Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
"HALBFIGUR, WEIBLICH (SCHWARZ)" 2010
Keramik, engobiert, Höhe 82 cm

Ansicht 1  Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
"HALBFIGUR, WEIBLICH" 2010
Keramik, engobiert, Höhe 84 cm

Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
"HALBFIGUR, WEIBLICH" 2011
Keramik, engobiert, Höhe 87 cm

Ansicht 2  Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
"HALBFIGUR, WEIBLICH" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 86 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
"HALBFIGUR, WEIBLICH (GRAU I)" 2009
Keramik, engobiert, Höhe 88 cm

Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 

Alle Arbeiten: Keramik, engobiert. Für weitere Informationen, bitte die Bilder anklicken.

ARBEITEN II



"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 32 cm

Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 31 cm

Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 32 cm

Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2013
Keramik, engobiert, Höhe 35 cm

Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 56 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 52 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 52 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
"BLEIBEN, WARTEN" 2013
Keramik, engobiert, Höhe 58 cm

Ansicht 2  Ausschnitt 

Alle Arbeiten: Keramik, engobiert. Für weitere Informationen, bitte die Bilder anklicken.

ARBEITEN III



aus der Reihe "TRANSIT" 2013
Keramik, engobiert, Höhe 127/126 cm

Ansicht 1  Ausschnitt  
Ansicht 2  Ausschnitt  
"LICHTFÄNGER" 2013
Keramik, engobiert, Höhe 166 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 151 cm

Ausschnitt  
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 156 cm

Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 125 cm

Ansicht 2  Ausschnitt  
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 125 cm

Ausschnitt 1  Ausschnitt 2 
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 125 cm

Ausschnitt 
Version in Bronze 
Version in Bronze, Ansicht 2 
Version in Bronze, Ausschnitt 
aus der Reihe "TRANSIT" 2012
Keramik, engobiert, Höhe 125 cm

Ausschnitt 
Version in Bronze 
Version in Bronze, Ansicht 2 
Version in Bronze, Ausschnitt 

Alle Arbeiten: Keramik, engobiert. Für weitere Informationen, bitte die Bilder anklicken.
Die beiden Arbeiten u. r. aus der aktuellen Werkreihe "Transit" sind in einer Bronze-Edition erschienen. Bitte die Bilder anklicken.

GALERIEN & LINKS



Die nachfolgenden Galerien halten aktuell eine Auswahl an Arbeiten bereit:

Galerie für Gegenwartskunst Elfi Bohrer, Bonstetten CH
Galerie Frederik Bollhorst, Freiburg
Galerie Cyprian Brenner, Schwäbisch Hall
Kunsthaus Fischinger, Stuttgart
Galerie Ulrich Gering, Frankfurt a. M.
Galerie Keim, Stuttgart
Galerie Vera Lindbeck, Isernhagen (Hannover)
Galerie Tobias Schrade, Ulm
Galerie Sonja Steinberger, Weikersheim


Weitere Galerien / Links:

Mariposa Zukunftswerkstatt, Teneriffa

Silvia Siemes bei Wikipedia

KATALOGE


SILVIA SIEMES "schweigen um zu hören" (Skulpturen bis 2007)

Herausgeber: Landkreis Esslingen, Amt für allgemeine Kreisangelegenheiten, 2007
Texte: Dr. Raimund Kast, Ulm; Gerhard Scharbert M.A., Berlin
Fotografie: Frank Kleinbach, Stuttgart; Thomas Klink, Schorndorf
Gestaltung: Kollegensüd, Caroline Abele, Stuttgart
36 Seiten, Softcover, Fadenbindung
ISBN 978-3-924123-65-9

Preis 15 Euro, inkl. Porto


SILVIA SIEMES (Skulpturen 2008 bis 2010)

Herausgeber: Silvia Siemes, 2011
Text: Dr. phil.Gerhard Scharbert M.A., Berlin
Fotografie: Cyrill Harnischmacher, Reutlingen
Gestaltung: Ina Ludwig, Stuttgart
52 Seiten, Softcover, Klammerbindung

DER KATALOG IST LEIDER VERGRIFFEN!


SILVIA SIEMES (Skulpturen 2011 bis 2014)

Herausgeber: Silvia Siemes, 2015
Text: Dr. Walter H. Lokau, Bremen
Fotografie: Cyrill Harnischmacher, Reutlingen
Gestaltung: Cyrill Harnischmacher, Reutlingen
80 Seiten, Hardcover, Fadenbindung

Preis 25 Euro, inkl. Porto

KONTAKT


Silvia Siemes

ACHTUNG: NEUE ADRESSE:

Atelier / privat:
Ludwig-Gerer-Str. 14
78250 Tengen

email: siemes(at)siemes-rissler.info

Auf Email-Anfrage teile ich Ihnen gerne eine Telefonnummer mit, mit der Sie mich erreichen können.

© Inhalt und Gestaltung der Website: Silvia Siemes und Thomas Rissler, Tengen 1996-2017
© Fotografie: Cyrill Harnischmacher, Reutlingen; Silvia Siemes, Tengen
© Texte: bei den Autoren
© Kunstwerke: VG BildKunst, Bonn























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Quelle: anwalt-seiten.de