Biografie
1962 geboren in Stuttgart
1983 - 88 Ausbildung und Tätigkeit als Steinbildhauer
1988 -95 Studium Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen
1995 - 96 Meisterschüler bei Prof. B. Altenstein
seit 1996 freischaffend
Mitbegründung der Ateliergemeinschaft fabrik 84 in Beuren bei Nürtingen
seit 2005 Mitglied bei XYLON, Int. Vereinigung der Holzschneider
2006 Arbeitsstipendium Zukunftwerkstatt Mariposa, Teneriffa
2007-10 Atelierstipendium, Landkreis Esslingen, Kulturpark Dettinger, Plochingen
Ausstellungen (Auswahl seit 1998)
2008 Galerie Monika Beck, Homburg/Saar; Galerie Lonnes, Bremen (B); Galerie Dorothea Schrade, Leutkirch/Diepoldshofen; XYLON, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz (B); XYLON - Museum + Werkstätten, Schwetzingen (B)
2007 "Entdecken", Galerie Thron, Reutlingen (B); XYLON, Städt. Galerie, Reutlingen (B); Kath. Akademie der Erzdiözese, Freiburg; Galerie der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Nürtingen
2006 "Reflex. Cuts. Clips.", Holzschnitte und Videoschnitte, Galerie Sabine Schwefel, Stuttgart; XYLON, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Bezirksmuseum, Schloss Landeck, A, XYLON - Museum + Werkstätten, Schwetzingen (B); Kunstverein, Weil der Stadt
2005 "Holzschnitte", Galerie Tobias Schrade, Ulm; "Sammeln als Strategie künstlerischer Aneignung", Galerie Sabine Schwefel, Stuttgart (B); Städt. Galerie, Blieskastel; XYLON, Städtische Galerie, Reutlingen, Gewerbemuseum, Winterthur, CH, Niederösterreichisches Dokumentationszentrum für Moderne Kunst, St. Pölten, A (B); Shedhalle, Tübingen (B); Museum Altes Rathaus, Leingarten
2004 XYLON - Museum + Werkstätten, Schwetzingen (B); Galerie Heinz Bossert, Köln (B); Bewerber um das MKK Stipendium, Städt. Galerie Iserlohn (B); Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt (B)
2003 Art Cologne, Köln, Mariposa-Projekt; Galerie Monika Beck, Homburg/Saar; HWL Galerie & Edition, Düsseldorf; XYLON, Fukumitsu Art Museum und Kyoto Seika University, J, u.a. (B); Museum im Schlössle, Freiberg/N.; Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt (B); Galerie Heinz Bossert, Köln (B)
Ausstellungen (Auswahl seit 1998)
2002 XYLON, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen, Musée Pierre Noël, Saint-Dié-des-Vosges, F (B); "bei uns zu Hause - at home", Galerie Keim, Stuttgart; Kunstpreis 2002 der Kreissparkasse Karlsruhe (B); "Holzschnitt-Heute", Kunstpreis 2002, Kreissparkasse Ludwigsburg (B); Galerie der Stadt Sindelfingen (B); 4. Kleinskulpturen Biennale, Galerie Dorn, Stuttgart (B)
2001 "Kreuzzeichen", Galerie Keim, Stuttgart (B); "Face a Face", Galerie der HfK Bremen und SEL Sèvres, F (B); "Neue Arbeiten", Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt
2000 15. Internationale Triennale für Originalgrafik, Grenchen, CH (B); "Holzschnitt-Heute", Kunstpreis 2000, Kreissparkasse Ludwigsburg (B); Städt. Galerie, Kirchheim (Teck); Galerie der Stadt Herrenberg; Ulmer Museum (B); Kunstmuseum Heidenheim (B)
1999 Galerie der Stadt Weingarten; Kunstforum Weil der Stadt; Galerie unterm Turm, Stuttgart (B); Berta Lungstras-Preis, Lohmar (B)
1998 Städt. Galerie Filderstadt; 18. Kunstpreis der KSK Esslingen (B); "Revolution:XS", Künstlerhaus Karlsruhe, Kunstverein Neckar-Odenwald, Mosbach und Galerie im Atrium, Hamburg; Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt; Galerie der Stadt Wendlingen (B)
Thomas Rissler
"Death exists but you do things to yourself"
Dominierten in den vergangenen Jahren Bilder offensiver individueller wie kollektiver Gewaltausübung seine
in seriellen Zusammenhängen entwickelten Bildmotive, so wendet er sich in jüngster Zeit verstärkt subtilen verfeinerten Formen von Gewaltanwendung und Machtmissbrauch zu.
Seine Themenstellungen bearbeitet Thomas Rissler zunächst digital, anschließend schneidet er die einzelnen Bilder seiner Serien ganz traditionell in Holz und druckt diese mehrfarbig in einem fast süßlich anmutenden, harmlosen Farbgewand.
Vor dem Auge des Betrachters entfaltet sich ein Panoptikum von Grauen, zuweilen in einer fast atemberaubenden Bonbonfarbigkeit und gerade das macht diese Bilder erträglich.
Sie unterlaufen unser Filtersystem alltäglichen Stumpfseins gegen mediale Katastrophenbilder und alltäglicher Überlebensignoranz ohne sich allerdings irgendeiner Illusion hinzugeben.
Zu den Arbeiten
Thomas Rissier würde sich selbst nicht als Sammler bezeichnen, er sammelt seit annährend 10 Jahren Bilder von Gewaltausübung, von Macht,
Destruktion bis hin zur Selbstverletzung. Er entwickelt seine Themen in seriellen Zusammenhängen, d.h. zu einer übergreifenden Fragestellung gibt es bis zu 25 Einzeiblätter. Die Darstellung erinnert uns teilweise an Auffassungen, die Comiczeichnungen verwandt sind,
tatsächlich besteht der Fundus, aus dem Thomas Rissler hier schöpft aus medial vermittelten Bildern - d.h. Bildern aus Zeitschriften, aus der Werbung und aus sogenannten Clipart-Sammlungen.
Thomas Rissler
Thomas Rissler erfindet diese Bilder nicht sondern er verarbeitet und benutzt bereits vorhandenes Material. Eine Serie und ein Thema entwickelt er im ersten Arbeitsschritt am PC, bevor er in einer sich anschließenden Arbeitsphase die einzelnen Bilder als einzelne Blätter einer Serie in Holz schneidet - natürlich mit den Mitteln,
die ihm heute zur Verfügung stehen, aber eben handwerklich in der Manier des Holzschneiders. Dies ist um so bemerkenswerter als er den Ursprung seiner Bildwerke nicht verleugnet: die Textur des gerasterten Fotos wird bewusst transportiert.
"Kleine Angstbilder" - Diese vielteilige Serie ist in schlichtem Schwarzweiß angelegt, also in keiner Farbigkeit, die in irgendeiner Form von der eigentlichen Darstellung ablenken könnte. Unabhängig davon, wann man den Titel der Serie zur Kenntnis nimmt, beim Betrachten der Bilder stellt sich sofort ein beklemmendes Gefühl einer
latenten Bedrohung ein, das sich kontinuierlich steigert, je länger man diese Bilder wahrnimmt: ein Mönch im Ornat, zwei Galgen vor einer dunklen Mauer, ein Rauchmelder, eine Pistole, ein Rollstuhl, ein brennendes Auto u.a..
Durch den spezifischen Zugriff von Thomas Rissler - dem Transponieren in die Manier des Holzschnitts,
führt er zwar ein wesentliches Charakteristikum unserer Zeit vor - die Gewalt - er unterläuft aber gleichsam unsere fast körpereigenen Systeme der Abwehr und Ignoranz aber auch Abstumpfung gegenüber den Bildern von Katastrophen aller Art, die unser tägliches Dasein begleiten. Er verarbeitet diese Bilder in einer Weise, die sie in einen luftleeren Raum gestellt erscheinen lassen, so dass man sie zur Kenntnis nehmen kann als Symbole und als Ausdruck unserer Zeit, aber eben in Ruhe und in Stille, die es erlaubt zu Erkenntnissen zu kommen -
ohne schon im Vorfeld von Farbe, von Emotion, von Lautstärke und reißerischer Sprache malträtiert zu werden.
Thomas Rissler
In der Serie "Alarm" rückt Thomas Rissler die ausgewählten Sujets in die Nähe von Comic-Zeichnungen: große flächenhafte Darstellungen charakterisieren die Szenerie und hier vor allem unter Einsatz der für ihn typischen Farbigkeit. Im ersten Eindruck eröffnet sich ein rosa farbenfrohes Panorama netter Bildchen und die Keule kommt im Erkennen
des Dargestellten postwendend: da verschwindet die Hand eines Mannes bis zum Armgelenk im After einer Kuh, ein anderer Mann zielt mit erhobenem Revolver, unter dem Bild eines behelmten, salutierenden Soldaten sind die Lettern "Give blood, the gift of life" - einer Aufforderung zur Blutspende, zu lesen.
Die anderen Fotos sind zurückhaltender, weniger eindeutig -
auf der Grundlage des bereits Gesehenen beginnen wir sie zwangsläufig gerichtet zu deuten: ein Blatt mit der Sprechblase "I did it" scheint Gewissheit zu schaffen: es wurde geschossen, womöglich gestorben.
Man kann in der jungen Frau die aus dem Wasser winkt auf einem anderen Blatt der Serie keine gewöhnliche Badeszene mehr sehen, sondern zuckt schon innerlich vor der Vorstellung ihres möglichen Verschwindens.
Immerhin es gibt eine Box, offensichtlich einen Mechanismus, den man auslösen kann, um Hilfe herbeizuholen.
In den jüngsten Arbeiten erscheint Gewalt in sublimierter, subtilerer Form. Zitiert wird eine amerikanische Idylle, um ein Beispiel herauszugreifen: Bildgegenstände werden als helle, saubere Welt inszeniert - ganz so, wie wir sie aus der Werbung kennen: mein Haus, mein Auto - in diesem Fall mein Sohn,
allerdings lodern im Hintergrund bereits die Flammen haushoch. Die Bedrohung des Systems ist bereits eine aktive.
Thomas Rissler
Mit der Auflösung einer organischen Bildstruktur deutet Thomas Rissler den fragilen Charakter dieses Systems (Familien- bzw. Gesellschaftssystems, wenn Sie so wollen) bereits an - er löst das Bild in viele kleine Einzelbilder auf, wobei das Einzelbild keinen spezifischen Eigenwert mehr besitzt, sondern Facette/Teil des Gesamtzusammenhangs ist.
Und hier wird zudem der Holzschnitt zurückgenommen, das Bild in seinen Einzelteilen ist auf Leinwand gedruckt.
Rissler befasst sich formal mit solchen Bildern, weil die Quellen dieser Bilder - das Fernsehen, die Werbung, das Internet längst zu Modellen unserer Verständigung verinnerlicht sind und nach und nach Besitz von dem ergreifen, was wir als Wirklichkeit bezeichnen. Diese verschiedenen Formen der Massenkommunikation präsentieren die Welt als Mosaik aus Programmpunkten:
eine Nachricht, ein Werbespot, ein Musikstück, eine Spieffilm-Sequenz. Aus dieser Perspektive muss das Bild sofort fesseln, gleichgültig, um welche Inhalte es geht. Eine differenzierte Sicht der Dinge kann hier erst gar nicht mehr gefragt sein.
Entscheidend für die Strategie von Thomas Rissier ist, dass er Distanz und Ruhe schafft, um zu konstruktiven Gedanken über die skizzierten Fragestellungen überhaupt gelangen zu können: zu Fragen nach Realität und Fiktion, nach Simulation und Wirklichkeit, nach Unschuld und Wahrhaftigkeit.
Sabine Schwefel M.A., Stuttgart
zur Ausstellung Silvia Siemes und Thomas Rissler
Museum Altes Rathaus Leingarten, 2005 (Ausschnitt)
Kontakt
Atelier I / privat: Ateliergemeinschaft fabrik 84
Linsenhofer Str. 84 72660 Beuren (< Stuttgart)
Atelier II: Kulturpark Dettinger
Esslinger Str. 52 - 56 73207 Plochingen
rissler@siemes-rissler.info
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